Über Grahamstown
Grahamstown, das ist eine Stadt in der man sehr gut die Gegensätze dieses Landes erkennt, welche ich aktuell noch gar nicht begreifen kann. Grahamstown besteht (wie viele Städte Südafrikas) aus zwei Bereichen, einmal die Stadt selbst und einmal das dazugehörige Township. In der Stadt leben 40.000 Menschen, im Township 70.000.
Grahamstown ist eine eher wohlhabende Stadt, hier sieht man ein Einfamilienhaus nach dem anderen, alle mit schönen gepflegten Vorgärten. Die Autos sind recht neu und die Menschen ziemlich gut ernährt. Es leben sehr viele Studenten hier, denn hier kann man von Psychologie bis Bildende Kunst alles studieren (alles außer Medizin). Die Studenten kommen nicht nur aus Südafrika sondern auch aus anderen afrikanischen Ländern. Die Menschen, die hier dauerhaft Leben, haben Kinder und unternehmen viel miteinander. Man kennt sich, alles ist sehr ruhig und friedlich. In der Stadt könnte man meinen, dass schwarz und weiß ganz friedlich und selbstverständlich nebeneinander lebt.
Von afrikanischer Kultur trifft man hier auf den ersten Blick nicht allzu viel. Das amerikanische System hat sich gut durchgesetzt und das britische wurde nie aufgegeben. So hat jede Schule ihre eigene Schuluniform, eingekauft wird in Einkaufszentren, Sonntag Mittag wird gegrillt. Im Supermarkt Pick&Pay gibt es 16 Kassen nebeneinander, alle geöffnet, die Tüten packt man sich nicht selbst, sie werden für einen gepackt. Zucker kauft man hier in 3 kg Packungen, Milchprodukte und Joghurt werden in großen Plastikkübeln in unzähligen Sorten verkauft. Nicht zu vergessen die riesige Fleischtheke, die schon auch mal ausverkauft sein kann…
Das Township erstreckt sich über eine sehr große Fläche. Da es auf dem Hügel liegt, kann ich es fast von unserem Garten aus sehen. Auch hier gibt es Klassen-Unterschiede. Teilweise sehen die Häuser sehr neu und gepflegt aus, wie in den Kleingartenanlagen in Pankow, mit verputzten Wänden und frisch gestrichenen Zäunen. Dahinter kommen dann die schlechteren Gegenden des Townships, in denen die Menschen in rostigen Wellblech-Baracken leben. Diese Gebilde würden wir vermutlich nicht mal als Abort verwenden…
(Fotos folgen…)