Verfasst von: zealous.lotte | Mai 21, 2009

Halbzeit

Die Regierungs-Wahlen in Südafrika

Bevor ich weiter auf meine ganz persönlichen Erlebnisse eingehe: hier kurz, was sich so allgemein in Südafrika getan hat. Es gab Wahlen. Auf lokaler Ebene und für das gesamte Land. Genau den Erwartungen entsprechend ist natürlich wieder der ANC, die Nelson Mandela Partei, an die Macht gekommen. Aber diesmal verfehlten sie die absolute Mehrheit, was ein gutes Zeichen und ein erster Anfang ist. Der ANC ist seit 1993 an der Macht und war die erste wirklich demokratische Regierungspartei, die nach dem Fall der Apartheid von den Schwarzen gewählt wurde. Seit dem hat der ANC viel Großes vollbracht und das werden die Einheimischen wohl nie vergessen und diese Partei immer wieder wählen.  Doch wie so oft bleibt Gutes nicht für immer gut. Südafrika und der ANC sind zwar nicht zu vergleichen mit Simbabwe und Mugabe, doch wage ich es zu behaupten, dass es Südafrika gut tun würde, mal eine andere Partei an der Macht zu haben. Nicht nur, dass die Führungsebene des ANC korrupt ist und der neue ANC Präsident Jacob Zuma unzählige Verfahren deswegen am Hals hat.

Als Europäer kriegt man auch echt die Krise bei dem Schwachsinn den Regierungspersonen tatsächlich in der Öffentlichkeit verbreiten. Südafrika hat ein enormes Aids Problem und die Neuinfektionsrate nimmt jedes Jahr zu. Warum das so ist, wundert mich gar nicht.  Nicht nur, dass der neue Präsident Verfahren wegen Korruption gegen sich laufen hat, er soll auch schon einige Frauen vergewaltigt haben. Auf die Frage, wie er sich denn vor Aids schützt, bei dem vielen sexuellen Verkehr, hat er geantwortet, dass er da kein Problem sieht, weil er sich ja schließlich danach duscht. Der ehemalige Gesundheitsminister hat gesagt, dass man Aids am besten heilt, in dem man Kartoffeln mit Knoblauch isst und die Wunderheiler in den Stammesgebieten behaupten, man würde HIV los, in dem man Sex mit einer Jungfrau hat. Noch Fragen?…

Zuma zu seinem Amtsantritt

Zuma zu seinem Amtsantritt

Die Karrikatur, die ihr hier seht, stellt den neuen Präsidenten bei seinem Amtsantritt dar. Die Dusche über dem Kopf ist eine gängige Darstellungsform für ihn geworden…

Heimweh – und dann die Änderung!

Zu Ostern hatte ich ein schreckliches Heimweh-Tief. Das war ganz furchtbar, ich habe angefangen die Tage zu zählen, bis ich wieder nach Hause kann und meinen Helmi und meinen Aeon endlich wieder sehe. Da wusste ich, ich muss etwas ändern. Die Arbeit an awareNet ist in letzter Zeit gut voran gekommen. Wir haben uns viele Gedanken über die Usability und über die Struktur der Community gemacht und getestet. Aber in dem aktuellen Status macht es keinen Sinn wieder in die Transkei zu fahren. Die Arbeit an awareNet mache ich die meiste Zeit von zu Hause, da das alles am Rechner und über das Internet passiert. Nur bin ich eben nicht der Mensch, der 24×7 zu Hause sitzt und dabei glücklich wird. Zumal ich auch einfach kein Kleinstadt-Mensch bin. Ganz ehrlich gesagt: Grahamstown und ich, wir harmonieren nicht so gut. Grahamstown erinnert mich einfach viel zu sehr an das kleine Nest in dem ich aufgewachsen bin und ist mir viel zu wenig Afrika.

Nach diesem schrecklichen einsamen Heimweh-Wochenende habe ich dann also beschlossen, dass ich etwas ändern muss. Früher zurück fliegen war keine Option (ich bin ja schließlich nicht nur zur persönlichen Belustigung hier sondern um ganz bestimmte Erfahrungen zu machen). Also entschied ich das Beste aus meiner Zeit zu machen und mir dafür eine Lösung zu überlegen.

Was ich auch bisher den Meisten verheimlicht habe: ich bin nicht einfach so ohne Plan nach Südafrika gekommen, sondern mit einer neuen Geschäfts-Idee. Darüber wollte ich aber nicht sprechen, so lang ich nicht in Südafrika erstmal die Rahmenbedingungen prüfen konnte und feststellen konnte, ob es eine realistische Chance für die Umsetzung meiner Idee gibt. Gute Neuigkeiten: es kann funktionieren! Die letzten Wochen war ich deshalb auch sehr damit beschäftigt mein Konzept und meinen Businessplan zu schreiben, weshalb mir irgendwie das Blogposten etwas aus dem Sinn geraten ist…

Aber zurück: als Lösung für mein Problem habe ich mir dann überlegt, dass ich als allererstes  raus muss aus Grahamstown und ein bisschen Großstadt Urlaub brauche. Außerdem brauchte ich dringend eine Techno-Therapie und habe sehr freudig festgestellt, dass einige meiner Lieblings-DJs ein paar Wochen später auf einem Festival nahe Johannesburg auflegen würden.

Und als zweite (noch viel wichtigere) Lösung habe ich mir eine Beschäftigung gesucht, bei der ich viel Kontakt zu anderen Menschen habe und die auch gleich noch in Richtung meiner neuen Idee geht. Et Voila: die Hope Factory erschien am Horizont wie ein Geschenk und nach einigen Wochen kann ich sagen, dass ich absolut begeistert und dankbar bin, dass ich diese Organisation kennen lernen kann und so viele wunderbare, ermutigende und eindrucksvolle Erfahrungen sammeln kann. Aber dazu schreibe ich ausführlich in einem weiteren Blogpost, denn ich habe viel über die Hope Factory zu berichten. Einen Vorgeschmack gibt es hier: www.thehopefactory.co.za

Aufgehts nach Cape Town

Lösung Nummer eins: ab nach Cape Town in die große wunderschöne Stadt am Meer mit den (verhältnismäßig) unbegrenzten Möglichkeiten. Kurzerhand überzeugte ich Dominique, dass sie mich doch begleiten möge, die auch widerstandslos zustimmte. Domique hat eine Freundin in Cape Town bei der wir übernachten konnten und die sich bereit erklärte, der Mentor für unser Wochenende zu sein. Auf unserem Plan stand: abhängen in coolen Cafes und Bars, essen in schicken Restaurants und natürlich tanzen in hippen Clubs. Ach so und shoppen natürlich. Was gleich von der Agenda gestrichen wurde, waren alle typischen Touristen-Attraktionen. Ich wollte Großstadt-Feeling statt Urlaubsstimmung.  Einfach mal rauskommen aus dem „Weltretter-Entwicklungshilfe-Horizonterweiterungs-Selbstlosmodus“ und für ein Wochenende kurz mal völlig egoistisch sein, im Glamour mitschwimmen und sich ganz in seinem Element fühlen. Es war großartig und genau das, was ich gebraucht habe! Cape Town ist eine unglaubliche Stadt und ich kann nur jedem empfehlen dort mal selbst hinzufahren. Ich wage zu behaupten, dass es eine der schönsten Städte überhaupt ist (aber natürlich nicht in Reichweite von Berlin).

Johannesburg und das Fu-Cha Festival

Zwei Wochen nach dem Cape Town Trip fand das Fu-Cha Festival in einem kleinen Ort außerhalb von Johannesburg statt. Dominique hatte in der Zwischenzeit ihren Job in Grahamstown gekündigt und verlegte ihren Umzug nach Johannesburg genau auf das Wochenende des Festivals. Das hatte den großen Vorteil, dass ich eine Mitfahrgelegenheit nach Johannesburg bekam und Dominique die 1.000 km nicht allein fahren musste. Um 6 Uhr früh gings los, denn bei Dunkelheit in Johannesburg ankommen, mit einem vollgepackten Auto, ist etwas, das man definitiv nicht macht. Wir fuhren also den ganzen Tag quer durch Südafrika und ich konnte die unterschiedliche Landschaft in den anderen Provinzen bewundern. Gleich als wir der Stadtgrenze von Johannesburg nahe waren, wurde ich in die Begebenheiten dieser unglaublich gefährlichen Stadt eingewiesen. Der Highway, der nach Johannesburg führt, geht entlang unzähliger und riesiger Townships, unter anderem auch vorbei an Soweto. Carjacking ist ein sehr verbreitetes Verbrechen in Südafrika und vor allem auch in Johannesburg. Dominique erklärte mir hierfür die Taktiken. Wenn es dunkel wird, legen die Carjacker spitze Gegenstände auf die Fahrbahn, die einen zwingen, anzuhalten. Sobald man angehalten hat, ist man sein Auto los. Eine weitere Möglichkeit ist, dass sich die Autodiebe auf eine Brücke stellen und Steine auf die Autos werfen, was einen auch zum anhalten zwingt. FAZIT: nicht bei Dunkelheit außerhalb der Stadt verkehren…

An unserem ersten Abend gingen wir ein wenig aus. In eine Szene-Bar und danach auf die Dachterrasse des Hyatt. Das war eine großartige Erfahrung, denn anders als in Cape Town trifft man in Johannesburg nur selten Touristen. Hier sieht man das neue Gesicht Südafrikas. Die neue Mittel- und Oberschicht und die  ist schwarz, stolz, im Trend der Zeit und wunderschön! Ich glaube Dominique und ich waren die einzigen Weißen auf der Party. Dank Dominiques Freund Mpheng standen wir auf der Gästeliste und sind in den VIP Bereich gekommen. Hier bin ich aus dem staunen nicht mehr rausgekommen. Schwarze Südafrikaner haben einen wahnsinnig guten Stil wenn sie es sich leisten können! Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so viele gut gestylte, toll angezogene Menschen gesehen habe. Ich kam mir völlig underdressed vor. Wir hatten Spaß und viel zu viel Jägermeister…

Am Freitag ging es dann los zum Fu-Cha Festival. Dieses Festival war sehr speziell. Man könnte meinen die Veranstalter haben versucht die Fusion nach Südafrika zu bringen. Techno hat sich noch nicht so wirklich in Südafrika durchgesetzt. In Grahamstown hört man das übliche Kommerzgedudel ausm Radio und die schwarze Bevölkerung folgt eher den Hiphop und Black Music Rhythmen. Fu-Cha ist deshalb auch nicht bekannt. Weder Dominique noch ihre Freunde und Bekannten hatten je davon gehört. Die Location ist aber sagenhaft. Mitten in der Natur wie im Paradies. Viel los war also leider nicht, aber James Flavour, Dave DK und Sasse haben mich voll und ganz zufrieden gestellt, so dass ich endlich einmal wieder die ganze Nacht und nach einigen Stunden schlaf bis in den Nachmittag des nächsten Tages tanzen konnte.

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Oh schönes Johannesburg, wir werden uns bald wieder sehen. Johannesburg ist zwar eine der gefährlichsten Städte der Welt und das merkt man jede Minute die man dort verbringt. Doch andererseits pulsiert diese Stadt und hat etwas unglaublich beeindruckendes an sich. Man muss die Geschichte der Stadt nicht einmal kennen, man kann sie sehen und man kann sie spüren. Diese Stadt hat so viele Kontraste in sich, dass man sie gar nicht alle fassen kann. Fotos habe ich hier keine gemacht, denn ich habe mich nicht getraut meine Kamera mitzunehmen. Das werde ich jedoch bald nachholen und dann gibt es einen ausführlichen Bericht über Johannesburg…

Also, im nächsten Blogpost geht es erstmal um die Hope Factory. Ihr dürft gespannt sein und diesmal dauert es nicht wieder eine Ewigkeit, versprochen….


Antworten

  1. heldi und aeon miss you so much our one and only :-)


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