Verfasst von: zealous.lotte | Juni 17, 2009

The Hope Factory

Verursacht durch mein Heimweh-Tief hatte ich mir also eine Lösung gesucht, die Hope Factory, um einen noch tieferen Einblick in das wahre Südafrika zu bekommen und um meinen Erfahrungs-Horizont noch ein bisschen stärker zu erweitern. Ein absoluter Volltreffer, wie ich schon nach meinem ersten Tag dort feststellen konnte. Aber alles von Anfang an…

Aufgabe, Ziel und Mission der Hope Factory

Die Hope Factory ist eine Non-Profit-Organisation, die das Ziel hat, benachteiligten und mittellosen Menschen eine Ausbildung zu geben, damit sie die Möglichkeit haben, eigene kleine Unternehmen zu gründen und sich dadurch selbst aus dem Kreislauf der Arbeitslosigkeit und der Armut herauszuhelfen. Dafür unterrichtet die Hope Factory jährlich 100 ambitionierte Menschen darin Designs zu machen, Schnitte zu erstellen und nähen zu lernen. Außerdem gibt es Trainingseinheiten in denen Lifeskills, wie der Umgang mit HIV/Aids, Selbstorganisation und Zeitmanagement gelehrt werden. Eine Mentorin betreut jeden Schüler einzeln und persönlich von der Bewerbung, über den Start des Kurses, während des Kurses und vor allem auch nach Abschluss des Kurses. Es werden Hilfestellungen zur Unternehmensgründung gegeben, Fragen beantwortet und Probleme und Zweifel während der ersten Schritte der Selbstständigkeit gemeinsam überwunden.
Die Hope Factory startete vor 8 Jahren als ein kleines Garagen-Unternehmen und hat seit dem 700 Menschen eine Zukunft ermöglicht. 78% der Absolventen sind nach dem Kurs fähig, sich selbst und ihre Familien allein zu ernähren. Das ist ein großartiges Zeugnis und ein Beweis für die Funktionstüchtigkeit des gesamten Konzepts.

Neben der Schulungseinheit betreibt die Hope Factory noch eine kleine Produktionsstätte als zweites Standbein in der vor allem Papierprodukte und Perlenbesätze für Besteck, Schlüsselanhänger, Kerzen…. hergestellt werden.

www.thehopefactory.co.za

The Hope Factory Port Elizabeth

The Hope Factory Port Elizabeth

So kam Lotte zur Hope Factory

Bei einem Ausflug nach Port Elizabeth fuhr Dominique mit mir zur Hope Factory, um zu sehen, ob es sich dabei nur um eine kleine Briefkasten-Firma handelt, oder ob das doch groß genug ist, um dort öfter mal hinzufahren. Ein Glück, die Hope Factory in Port Elizabeth stellte sich als der Hauptstandort für die Produktion und die Schulung heraus. Wir fuhren zu der Adresse in der Dunkelheit, während die Straßen leer und schlecht beleuchtet waren. Als ich das Haus sah war ich hellauf begeistert und zu 100% sicher, dass ich dort einige Zeit verbringen möchte.

Wenige Tage später, an einem Freitag, fuhr Dominique wieder mit mir zur Hope Factory um diesmal auch hinein zu gehen und mit den Managern zu sprechen. Bei Licht sah die Gegend jedoch ganz anders aus! Die Straßen und Häuser sind alle etwas runter gekommen, staubig, schmutzig und überall nur schwarze Menschen. Eine richtige Downtown Area! Als wir die Straße Richtung Hope Factory entlang fuhren überkamen mich schreckliche Zweifel! Die ganze Gegend wirkte auf mich einfach nur angsteinflößend und unsicher. Ich wäre am liebsten sofort wieder umgedreht und hatte ständig die Fragen im Kopf „willst du das wirklich? Schaffst du das?“ Dieser Kultur-Clash war einfach zu viel für mich! An diesem Tag bin ich nicht in die Hope Factory hinein gegangen, ich habe mich nicht getraut…

Ich hatte nun das ganze Wochenende Zeit um mir zu überlegen, wie es weitergeht und um mich mit den Fragen auseinanderzusetzen, ob ich das schaffe und ob ich das wirklich will. Ich bin hierher gekommen, um einen tiefen Einblick in das Leben Südafrikas zu bekommen, ab vom Tourismus und den reichen Gegenden. Niemand hat gesagt, dass es einfach wird oder das ich nur schöne Dinge zu sehen bekomme. Ganz im Gegenteil ist das Ziel meiner Reise die unschöne Realität zu sehen. Die andere Seite, das andere Gesicht, die Mehrheit des Landes! Das zu erleben, was Touristen vorenthalten bleibt. Ich habe also das gesamte Wochenende meinen Mut zusammen gekratzt, meinen Egoismus beiseite geschoben und mich auf das große Überziel konzentriert.

Montag, zweiter Versuch. Nun war ich ja schon ein bisschen gewappnet, was mich zumindest von Außen erwarten wird. Ich war total nervös, wie immer, wenn ich Menschen treffe, die mich nicht kennen und bei denen ich nicht einschätzen kann, wie sie auf mein Anliegen reagieren. Ich ging hinein und fragte nach einer Managerin. Die Leiterin war an diesem Tag nicht da, aber ich sprach mit der Managerin der Produktion. Ich glaube sie war etwas überfordert. Es kommt wohl nicht so oft vor, dass eine weiße Deutsche hereinschneit, fragt ob sie die Organisation kennenlernen darf, gerne auch mit ihrem Knowhow zur Verfügung steht und kein Geld dafür will.

Zwei Tage später erhielt ich dann eine Email von der Leiterin, die sich sehr freute und mich herzlich Willkommen hieß, die Hope Factory näher kennen zu lernen. Als wir uns trafen, war es „Liebe auf den ersten Blick“. Zufälligerweise kam sie ursprünglich aus der IT-Branche und hatte also in mir eine Gleichgesinnte gefunden. Vor allem freute sich die Leiterin, mit jemandem zusammen zu arbeiten, der eigenständig denken kann, Muster selbstständig versteht und nicht für jedes kleine Problem die Lösung bei jemand anderem sucht. Das klingt vielleicht ein wenig rassistisch, ist es aber in keinster Weise. Wenn man sich die Gesamtsituation des Bildungssystems betrachtet, kann man das leicht Schlussfolgern. Das Bildungssystem in Südafrika ist eine Katastrophe (erwähnte ich bereits). Die öffentlichen Schulen sind überfüllt, generell herrscht Lehrermangel, um zu unterrichten muss man deshalb kein Lehramt studiert haben und teilweise generell nicht studiert haben. Da so viele Schüler durch die Prüfungen fallen, werden einfach die Prüfungsanforderungen runtergeschraubt. Selbstständiges Arbeiten und erörtern von Themen, logisches und komplexes Denken, Übertragungsfähigkeit zwischen verschiedenen Bereichen, lernt man in Südafrika in den öffentlichen Schulen einfach nicht.

Aufnahmebedingungen in die Hope Factory

Die Aufnahmebedingungen für die Teilnahme an Trainingsklassen der Hope Factory sind sehr niedrig gesteckt. Im Prinzip kann jeder teilnehmen der mindestens Grd. 10 hat (ungefähr 10. Klasse, aber nicht mit dem deutschen Stand der 10. Klasse zu vergleichen!). Also einigermaßen lesen und schreiben kann, ein wenig Mathematik versteht (plus, minus, mal, geteilt) und einfachen Anweisungen folgen kann. Dafür gibt es einen sehr einfachen Test, in dem man einfache Formen ausschneiden muss, ein paar simple Rechenaufgaben lösen muss und einigen einfachen Anweisungen folgen muss, wie zum Beispiel ein Dreieck dem Wort „Dreieck“ zuzuordnen. Man kann sich kaum vorstellen, dass man durch diesen Test durchfallen kann, aber das passiert! Diese Tests könnten von deutschen Grundschulkindern mit links beantwortet werden. Die Bewerber in der Hope Factory sind im Alter zwischen 18 und 40 Jahren….

Nach dem Test gibt es noch ein persönliches Gespräch um die Ambition und den Willen der Teilnehmer zu prüfen. Durch all die Entwicklungsgelder und Hilfsorganisationen wurde den Menschen leider im Laufe der letzten Jahrzehnte beigebracht, dass man nicht unbedingt etwas tun muss, um etwas zu bekommen. Sehr oft denken die Menschen, dass sie einfach so einen Anspruch auf alles haben und möchten dafür nichts leisten. Um nachhaltig zu sein, muss man die Ambitionierten rausfiltern. Die Menschen, die ihr leben selbst in die Hand nehmen möchten, Chancen erkennen und nutzen möchten und dafür auch bereit sind, Opfer zu bringen.

Für den Kurs bei der Hope Factory bekommen die Teilnehmer kein Geld. Sie bekommen lediglich Geld für den Bus-Transfer von den Townships zur Hope Factory in Höhe von 75 Rand pro Woche (6,75 €). Das war bis letztes Jahr anders, da gab es noch einen zusätzlichen Tagessatz für jeden Teilnehmer. Da musste die Hope Factory aber leider feststellen, dass zu viele Teilnehmer nur wegen diesem geringen Tagessatz kommen und sich nach dem Kurs nicht selbstständig machen möchten, sondern sich gleich die nächste Organisation suchen, bei der es Geld gibt.

Für die Teilnehmer stellt der Kurs eine sehr harte Zeit dar. Der Unterricht findet Montag bis Freitag von 8:30 Uhr bis 16:00 Uhr für 3,5 Monate statt. Sie haben also nicht die Möglichkeit noch nebenbei zu arbeiten. Einige der Teilnehmerinnen sind alleinerziehende Mütter mit 2 Kindern zu Hause. Sie haben es besonders schwer. Die Meisten haben Schwierigkeiten, die 75 Rand pro Woche vorzustrecken, da das Geld immer erst freitags ausgezahlt wird und sie sich das Geld von anderen leihen müssen. Wenn man sich das mal zu gemühte führt: die Menschen haben Schwierigkeiten an 6,75 € zu kommen….

Ergebnis: Zuversicht, Hoffnung, Vertrauen, Begeisterung

Am Anfang des Kurses sind die Teilnehmer sehr verunsichert, ängstlich und ohne Selbstvertrauen. Mit jedem Teilnehmer wird einzeln ein Interview geführt, um festzustellen, wie es ihm die ersten Tage erging, was er für Wünsche und Ziele für den Kurs und danach hat, was er für Probleme hat und um generell ein persönlicheres Verhältnis aufzubauen. Diese Interviews werden von Vuyo, der Mentorin geführt und ich durfte bei all den Interviews dabei sein. Es war ein großartiges Erlebnis, die einzelnen Charaktere in diesen Menschen zu entdecken und vor allem die Hoffnung, die Ambition und den Unternehmergeist zu sehen! Das funkeln in den Augen von Menschen zu sehen, die nie eine Chance bekommen haben und die das erste Mal in ihrem Leben einen Hoffnungsschimmer am Horizont entdecken, lässt einfach sofort jeden Zweifel in mir sterben und ich fühle, dass es genau das ist, weswegen ich hier her gekommen bin! Das ist die größte und tollste Erfahrung, die ich mir für meinen SA Trip vorstellen kann!

Ein paar Interview-Beispiele

Meine Lieblings-Teilnehmerin heißt Noluvuyo, kurz Vuvu. Sie ist so ambitioniert, fürsorglich, organisiert und hat den Plan! Wenn sie fertig ist mit dem Kurs möchte sie ein eigenes Unternehmen gründen, möchte Arbeitsplätze in ihrem Township schaffen und möchte der Community helfen gegen Probleme wie Aids zu kämpfen. Wenn das nicht große Pläne sind! Und ich trau ihr das zu… Sie wurde von ihrer Gruppe zur „Klassensprecherin“ gewählt und hat seit dem großartige Dinge eingeführt. Sie hat mitbekommen, dass einige Teilnehmer so wenig Geld zur Verfügung haben das es nicht einmal für etwas zu Essen mittags reicht. Deshalb sammelt sie nun von jedem Teilnehmer der Gruppe einmal in der Woche einen minimalen Beitrag ein und bäckt freitags für alle, so, dass freitags jeder etwas zu Mittag essen kann. Außerdem hat sie eine Art Geld-Club gegründet, der inzwischen auch von anderen Gruppen übernommen wurde. Das Ganze funktioniert so: im Schnitt benötigen die Teilnehmer von den 75 Rand pro Woche nur 60 Rand für das Busticket. Es bleiben also 15 Rand übrigen. Jeden Freitag gibt jeder Teilnehmer 10 Rand in einen Topf und einer der Teilnehmer bekommt alles. Jeder ist mal an der Reihe. Bei 14 Teilnehmern macht das 130 Rand, die jede Person abwechselnd mal für sich allein übers Wochenende ausgeben kann. Und das ist für Menschen in einem Township ein kleines Vermögen….

Vuvu - meine liebste Kursteilnehmerin (and me)

Vuvu - meine liebste Kursteilnehmerin (and me)

Da war ein junger Mann, ungefähr mitte zwanzig, sehr lebhaft und taff. Er saß in dem Interview und war so aufgeregt, dass die ganze Zeit seine Lippe und seine Backe gezittert haben. Aber er hat das einfach überspielt! Er hat den Unternehmergeist! Der Kurs befand sich gerade mal in den ersten 2 Wochen und er hat sich in der Hope Factory unter den Teilnehmern schon einen Business Partner gesucht. Sie wollen ein eigenes Label gründen namens „Underground“. Anfangen wollen sie, indem sie einfache T-Shirts mit dem Logo bedrucken. Dafür haben sie sich schon einen Drucker gesucht, den um die Hälfte im Preis für das Drucken runter gehandelt und die ersten zwei T-Shirts für sich selbst bedrucken lassen, als Marketing-Maßnahme. Danach wollen sie anfangen, die T-Shirts in der Hope Factory und in ihrer Community zu verkaufen, bis sie nähen und entwerfen gelernt haben und eine eigene Kollektion aufziehen können. Da zieh ich einfach den Hut….

Schon ists wieder vorbei…

Leider ist meine Zeit bei der Hope Factory inzwischen schon wieder vorbei. Ich hatte nicht wirklich eine Position dort, aber ich habe unglaublich viel gelernt und erfahren! Nach einem Monat habe ich ein super Verhältnis zu der Leiterin, den Lehrern und der Mentorin aufgebaut. Ich würde gern noch länger bleiben, die Teilnehmer noch weiter in ihrer Entwicklung begleiten. Aber es wartet schon der nächste Schritt meiner Reise auf mich. Am Abend vor dem letzten Tag in der Hope Factory war ich furchtbar traurig. Das war eine tolle Zeit….

Verfasst von: zealous.lotte | Mai 21, 2009

Halbzeit

Die Regierungs-Wahlen in Südafrika

Bevor ich weiter auf meine ganz persönlichen Erlebnisse eingehe: hier kurz, was sich so allgemein in Südafrika getan hat. Es gab Wahlen. Auf lokaler Ebene und für das gesamte Land. Genau den Erwartungen entsprechend ist natürlich wieder der ANC, die Nelson Mandela Partei, an die Macht gekommen. Aber diesmal verfehlten sie die absolute Mehrheit, was ein gutes Zeichen und ein erster Anfang ist. Der ANC ist seit 1993 an der Macht und war die erste wirklich demokratische Regierungspartei, die nach dem Fall der Apartheid von den Schwarzen gewählt wurde. Seit dem hat der ANC viel Großes vollbracht und das werden die Einheimischen wohl nie vergessen und diese Partei immer wieder wählen.  Doch wie so oft bleibt Gutes nicht für immer gut. Südafrika und der ANC sind zwar nicht zu vergleichen mit Simbabwe und Mugabe, doch wage ich es zu behaupten, dass es Südafrika gut tun würde, mal eine andere Partei an der Macht zu haben. Nicht nur, dass die Führungsebene des ANC korrupt ist und der neue ANC Präsident Jacob Zuma unzählige Verfahren deswegen am Hals hat.

Als Europäer kriegt man auch echt die Krise bei dem Schwachsinn den Regierungspersonen tatsächlich in der Öffentlichkeit verbreiten. Südafrika hat ein enormes Aids Problem und die Neuinfektionsrate nimmt jedes Jahr zu. Warum das so ist, wundert mich gar nicht.  Nicht nur, dass der neue Präsident Verfahren wegen Korruption gegen sich laufen hat, er soll auch schon einige Frauen vergewaltigt haben. Auf die Frage, wie er sich denn vor Aids schützt, bei dem vielen sexuellen Verkehr, hat er geantwortet, dass er da kein Problem sieht, weil er sich ja schließlich danach duscht. Der ehemalige Gesundheitsminister hat gesagt, dass man Aids am besten heilt, in dem man Kartoffeln mit Knoblauch isst und die Wunderheiler in den Stammesgebieten behaupten, man würde HIV los, in dem man Sex mit einer Jungfrau hat. Noch Fragen?…

Zuma zu seinem Amtsantritt

Zuma zu seinem Amtsantritt

Die Karrikatur, die ihr hier seht, stellt den neuen Präsidenten bei seinem Amtsantritt dar. Die Dusche über dem Kopf ist eine gängige Darstellungsform für ihn geworden…

Heimweh – und dann die Änderung!

Zu Ostern hatte ich ein schreckliches Heimweh-Tief. Das war ganz furchtbar, ich habe angefangen die Tage zu zählen, bis ich wieder nach Hause kann und meinen Helmi und meinen Aeon endlich wieder sehe. Da wusste ich, ich muss etwas ändern. Die Arbeit an awareNet ist in letzter Zeit gut voran gekommen. Wir haben uns viele Gedanken über die Usability und über die Struktur der Community gemacht und getestet. Aber in dem aktuellen Status macht es keinen Sinn wieder in die Transkei zu fahren. Die Arbeit an awareNet mache ich die meiste Zeit von zu Hause, da das alles am Rechner und über das Internet passiert. Nur bin ich eben nicht der Mensch, der 24×7 zu Hause sitzt und dabei glücklich wird. Zumal ich auch einfach kein Kleinstadt-Mensch bin. Ganz ehrlich gesagt: Grahamstown und ich, wir harmonieren nicht so gut. Grahamstown erinnert mich einfach viel zu sehr an das kleine Nest in dem ich aufgewachsen bin und ist mir viel zu wenig Afrika.

Nach diesem schrecklichen einsamen Heimweh-Wochenende habe ich dann also beschlossen, dass ich etwas ändern muss. Früher zurück fliegen war keine Option (ich bin ja schließlich nicht nur zur persönlichen Belustigung hier sondern um ganz bestimmte Erfahrungen zu machen). Also entschied ich das Beste aus meiner Zeit zu machen und mir dafür eine Lösung zu überlegen.

Was ich auch bisher den Meisten verheimlicht habe: ich bin nicht einfach so ohne Plan nach Südafrika gekommen, sondern mit einer neuen Geschäfts-Idee. Darüber wollte ich aber nicht sprechen, so lang ich nicht in Südafrika erstmal die Rahmenbedingungen prüfen konnte und feststellen konnte, ob es eine realistische Chance für die Umsetzung meiner Idee gibt. Gute Neuigkeiten: es kann funktionieren! Die letzten Wochen war ich deshalb auch sehr damit beschäftigt mein Konzept und meinen Businessplan zu schreiben, weshalb mir irgendwie das Blogposten etwas aus dem Sinn geraten ist…

Aber zurück: als Lösung für mein Problem habe ich mir dann überlegt, dass ich als allererstes  raus muss aus Grahamstown und ein bisschen Großstadt Urlaub brauche. Außerdem brauchte ich dringend eine Techno-Therapie und habe sehr freudig festgestellt, dass einige meiner Lieblings-DJs ein paar Wochen später auf einem Festival nahe Johannesburg auflegen würden.

Und als zweite (noch viel wichtigere) Lösung habe ich mir eine Beschäftigung gesucht, bei der ich viel Kontakt zu anderen Menschen habe und die auch gleich noch in Richtung meiner neuen Idee geht. Et Voila: die Hope Factory erschien am Horizont wie ein Geschenk und nach einigen Wochen kann ich sagen, dass ich absolut begeistert und dankbar bin, dass ich diese Organisation kennen lernen kann und so viele wunderbare, ermutigende und eindrucksvolle Erfahrungen sammeln kann. Aber dazu schreibe ich ausführlich in einem weiteren Blogpost, denn ich habe viel über die Hope Factory zu berichten. Einen Vorgeschmack gibt es hier: www.thehopefactory.co.za

Aufgehts nach Cape Town

Lösung Nummer eins: ab nach Cape Town in die große wunderschöne Stadt am Meer mit den (verhältnismäßig) unbegrenzten Möglichkeiten. Kurzerhand überzeugte ich Dominique, dass sie mich doch begleiten möge, die auch widerstandslos zustimmte. Domique hat eine Freundin in Cape Town bei der wir übernachten konnten und die sich bereit erklärte, der Mentor für unser Wochenende zu sein. Auf unserem Plan stand: abhängen in coolen Cafes und Bars, essen in schicken Restaurants und natürlich tanzen in hippen Clubs. Ach so und shoppen natürlich. Was gleich von der Agenda gestrichen wurde, waren alle typischen Touristen-Attraktionen. Ich wollte Großstadt-Feeling statt Urlaubsstimmung.  Einfach mal rauskommen aus dem „Weltretter-Entwicklungshilfe-Horizonterweiterungs-Selbstlosmodus“ und für ein Wochenende kurz mal völlig egoistisch sein, im Glamour mitschwimmen und sich ganz in seinem Element fühlen. Es war großartig und genau das, was ich gebraucht habe! Cape Town ist eine unglaubliche Stadt und ich kann nur jedem empfehlen dort mal selbst hinzufahren. Ich wage zu behaupten, dass es eine der schönsten Städte überhaupt ist (aber natürlich nicht in Reichweite von Berlin).

Johannesburg und das Fu-Cha Festival

Zwei Wochen nach dem Cape Town Trip fand das Fu-Cha Festival in einem kleinen Ort außerhalb von Johannesburg statt. Dominique hatte in der Zwischenzeit ihren Job in Grahamstown gekündigt und verlegte ihren Umzug nach Johannesburg genau auf das Wochenende des Festivals. Das hatte den großen Vorteil, dass ich eine Mitfahrgelegenheit nach Johannesburg bekam und Dominique die 1.000 km nicht allein fahren musste. Um 6 Uhr früh gings los, denn bei Dunkelheit in Johannesburg ankommen, mit einem vollgepackten Auto, ist etwas, das man definitiv nicht macht. Wir fuhren also den ganzen Tag quer durch Südafrika und ich konnte die unterschiedliche Landschaft in den anderen Provinzen bewundern. Gleich als wir der Stadtgrenze von Johannesburg nahe waren, wurde ich in die Begebenheiten dieser unglaublich gefährlichen Stadt eingewiesen. Der Highway, der nach Johannesburg führt, geht entlang unzähliger und riesiger Townships, unter anderem auch vorbei an Soweto. Carjacking ist ein sehr verbreitetes Verbrechen in Südafrika und vor allem auch in Johannesburg. Dominique erklärte mir hierfür die Taktiken. Wenn es dunkel wird, legen die Carjacker spitze Gegenstände auf die Fahrbahn, die einen zwingen, anzuhalten. Sobald man angehalten hat, ist man sein Auto los. Eine weitere Möglichkeit ist, dass sich die Autodiebe auf eine Brücke stellen und Steine auf die Autos werfen, was einen auch zum anhalten zwingt. FAZIT: nicht bei Dunkelheit außerhalb der Stadt verkehren…

An unserem ersten Abend gingen wir ein wenig aus. In eine Szene-Bar und danach auf die Dachterrasse des Hyatt. Das war eine großartige Erfahrung, denn anders als in Cape Town trifft man in Johannesburg nur selten Touristen. Hier sieht man das neue Gesicht Südafrikas. Die neue Mittel- und Oberschicht und die  ist schwarz, stolz, im Trend der Zeit und wunderschön! Ich glaube Dominique und ich waren die einzigen Weißen auf der Party. Dank Dominiques Freund Mpheng standen wir auf der Gästeliste und sind in den VIP Bereich gekommen. Hier bin ich aus dem staunen nicht mehr rausgekommen. Schwarze Südafrikaner haben einen wahnsinnig guten Stil wenn sie es sich leisten können! Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so viele gut gestylte, toll angezogene Menschen gesehen habe. Ich kam mir völlig underdressed vor. Wir hatten Spaß und viel zu viel Jägermeister…

Am Freitag ging es dann los zum Fu-Cha Festival. Dieses Festival war sehr speziell. Man könnte meinen die Veranstalter haben versucht die Fusion nach Südafrika zu bringen. Techno hat sich noch nicht so wirklich in Südafrika durchgesetzt. In Grahamstown hört man das übliche Kommerzgedudel ausm Radio und die schwarze Bevölkerung folgt eher den Hiphop und Black Music Rhythmen. Fu-Cha ist deshalb auch nicht bekannt. Weder Dominique noch ihre Freunde und Bekannten hatten je davon gehört. Die Location ist aber sagenhaft. Mitten in der Natur wie im Paradies. Viel los war also leider nicht, aber James Flavour, Dave DK und Sasse haben mich voll und ganz zufrieden gestellt, so dass ich endlich einmal wieder die ganze Nacht und nach einigen Stunden schlaf bis in den Nachmittag des nächsten Tages tanzen konnte.

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Oh schönes Johannesburg, wir werden uns bald wieder sehen. Johannesburg ist zwar eine der gefährlichsten Städte der Welt und das merkt man jede Minute die man dort verbringt. Doch andererseits pulsiert diese Stadt und hat etwas unglaublich beeindruckendes an sich. Man muss die Geschichte der Stadt nicht einmal kennen, man kann sie sehen und man kann sie spüren. Diese Stadt hat so viele Kontraste in sich, dass man sie gar nicht alle fassen kann. Fotos habe ich hier keine gemacht, denn ich habe mich nicht getraut meine Kamera mitzunehmen. Das werde ich jedoch bald nachholen und dann gibt es einen ausführlichen Bericht über Johannesburg…

Also, im nächsten Blogpost geht es erstmal um die Hope Factory. Ihr dürft gespannt sein und diesmal dauert es nicht wieder eine Ewigkeit, versprochen….

Verfasst von: zealous.lotte | April 7, 2009

Bulungula – das Paradies

Am Ende unseres Ausfluges werde ich mit einer Nacht im Paradies belohnt. Alles, was mich in den letzten Tagen etwas runter gezogen hat, verunsichert hat und mir einfach zu viel war, fällt in der ersten Sekunde von mir ab, als ich unseren Zielort sehe. Bulungula. Das ist ein Fair-Trade-Back-Packer in the middle of nowhere. Hier gibt es nichts außer unberührte Natur und ein paar Hütten auf den Hügeln. Hier gibt es nicht mal eine Straße. Weshalb wir auch für 3 km 40 Minuten durch die Pampa wackeln. Hier gibt es so riesige Gesteinsbrocken neben metertiefen Rillen im Weg, das ich manchmal dran zweifle heil mit dem Auto darüber hinweg zu kommen. Dass Rons Auto diese Strecke schon mehrfach bewähltigt hat ohne auseinander zu fallen ist für mich auch ein Wunder. Ron fährt einen Pickup mit Allrad-Antrieb, der zumindest für etwas schlechter präparierte Straßen ausgelegt ist. Mit einem normalen PKW würde man hier nie im Leben weiter kommen. Deshalb werden die Gäste, die sich nicht eines allradbetriebenen Wagens erfreuen, durch einen Shuttle abgeholt, der einmal morgens und einmal abends kommt.
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Verfasst von: zealous.lotte | April 7, 2009

Trip in die Transkei Teil II

Art Center

Während unserem Aufenthalt besuchen wir neben den Schulen auch das örtliche Art Center. Das Center wurde vor nicht allzu langer Zeit errichtet. Die Gebäude sind alle sehr neu und schick und sind mit neuen Tischen ausgestattet. Die Nutzung des Art Centers ist kostenlos, man muss keine Miete zahlen. Ziel des Art Centers sollte sein, dass die Dorfbewohner Kunst- und Handwerksgegenstände hier herstellen und verkaufen können. Das ist ansich also eine sehr gute Idee. Leider stehen von den 5 Räumen 4 Räume leer. Nur ein Raum wird als kleine Schneiderei genutzt, in der ein Mann und eine Frau auf Anfrage etwas herstellen oder ändern. Warum das Art Center nicht genutzt wird, liegt daran, dass es hier keinen Markt und keine Käufer gibt. In der Gegend gibt es keinen Tourismus und die Dorfbewohner selbst verdienen ja kein Geld. Das Art Center ist wieder ein Beispiel für ein Projekt, das zwar gute Motive verfolgt, aber leider nicht richtig durchdacht ist und deshalb zu den erfolglosen Projekten gehört…
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Verfasst von: zealous.lotte | April 7, 2009

Trip in die Transkei Teil I

Fahrt in die Transkei

Vor einer Woche haben Ron und ich uns auf eine Reise in die Transkei (bzw. politisch Korrekt: ehemalige Transkei) begeben. Die Transkei ist ein Gebiet innerhalb des Eastern Capes und erstreckt sich entlang der Küste. Während der Apartheid war die Transkei eines der Homelands für die schwarze Bevölkerung und sollte unabhängig von dem restlichen Südafrika sein (wie die anderen Homelands auch). Faktisch wurde die Unabhängigkeit aber von keinem anderen Land anerkannt und wirtschaftlich sowie politisch waren sie von Südafrika abhängig, weshalb sie sich nur im Schein selbst verwalten konnten. Unter anderem aus diesem Grund war und ist die Transkei eine eher arme und, bezogen auf die Infrastruktur, noch recht schlecht erschlossene Gegend. Geteert sind nur die Bundesstraßen und die Straßen zwischen und in den größeren Städten. Begibt man sich auf eine Reise zu den kleinen Dörfern und Communities dann fährt man über viel staubigen Schotter, der mal besser und mal schlechter präpariert ist. Auf dem Weg zu unserem Zielort fahren wir sogar an dem Heimat-Ort von Nelson Mandela vorbei…

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Verfasst von: zealous.lotte | März 24, 2009

Ein Tag mit Dominique…

Ein Tag mit Dominique am Meer…. Lies mehr…

Verfasst von: zealous.lotte | März 24, 2009

Berta – mein erstes schreckliches Kleintier-Erlebnis

Tja und Sonntag Abend dann auch noch mein Moskito-Abenteuer. Bisher habe ich mich wirklich tapfer geschlagen. Hier gibt es viele Motten, davon habe ich schon einige erlegt (ich bin eigentlich gegen sinnloses Morden, aber ich kann mit diesen Viechern einfach nicht in einem Zimmer schlafen…). Auch mit einigen Spinnen bin ich schon zusammen gestoßen und habe auch die meisten tatsächlich am Leben gelassen und bisher nicht geschrien!…. Lies mehr…

Verfasst von: zealous.lotte | März 24, 2009

Sicherheit

Gruselgeschichten aus der Nachbarschaft

Der Schein trügt und auch Grahamstown ist nicht so sicher, wie man das gerne hätte. Letzte Woche habe ich erfahren, dass hier Anfang März jemand umgebracht wurde (nicht, dass das eine Ausnahme ist. Gerade in den Shebeens, den illegalen Kneipen in den Townships, bringen sich die Leute ständig gegenseitig um). Doch dieser Mord passierte hier in meiner neuen Nachbarschaft. Das Pärchen, ein sehr durchtrainierter kleiner Mann und eine sehr große dünne Frau aus Australien und UK sind hier sehr bekannt, da sie ein Geschäft in Grahamstown haben. Es war an einem Mittag, als der Stiefsohn der Putzfrau zu dem Haus kam und Geld von der Putzfrau, also der Stiefmutter wollte. Als sie ihm das nicht geben wollte, hat er sie erstochen. Genau da kam das Pärchen zum Mittagessen nach Hause und überraschte den Stiefsohn. Als der Mann versuchte ihn zu überwältigen, hat der Stiefsohn ihn erstochen, den Bauch aufgeschlitzt. Die Frau wurde schwer verletzt. Der Stiefsohn muss wohl nicht ganz bei Sinnen gewesen sein und offensichtlich auf Drogen. Denn nachdem er die zwei Menschen umgebracht und die Frau schwer verletzt hat, blieb er doch tatsächlich im Haus um Sachen zu stehlen und versuchte auch noch das Auto zu knacken bis die Polizei kam… (soweit zumindest die Gerüchte aus der Nachbarschaft). Mehr dazu hier:… Lies mehr…

Verfasst von: zealous.lotte | März 24, 2009

Die erste Arbeitswoche – meine Projekte

Die erste Arbeitswoche – meine Projekte

In meiner ersten Arbeitswoche war ich leider weit nicht so produktiv, wie ich das normalerweise bin. Ich habe die Eingewöhnungsphase deutlich unterschätzt und so ging meine ganze Energie eher für die neuen Eindrücke als für meine Arbeit drauf. Aber immerhin konnte ich mich schon mal ein bisschen in meiner neuen Arbeitsumgebung umgucken und mich mit meinen zwei Projekten vertraut machen… Lies mehr…

Verfasst von: zealous.lotte | März 24, 2009

Mein Haus, mein Auto, mein Hund….

Mein Haus, mein Auto, mein Hund….

So, wieder ist eine Woche vergangen und ich habe extrem viel erlebt (zumindest fühlt sich das so an, gemacht habe ich gar nicht so viel…). Diese Woche hatte ganz schön viele Höhen und Tiefen und die folgten meist direkt auf einander und waren gekoppelt an Kleinigkeiten, die mir zu Hause gar nicht auffallen würden. Es ist erstaunlich über welche Dinge man sich freut, wenn man weit weg ist von zu Hause.  Ich habe mich riesig über einen eigenen Hausschlüssel gefreut und über meinen ersten eigenen Einkauf…

Letzten Donnerstag also bin ich umgezogen. Ich wohne jetzt in einem schönen kleinen Haus in den Cradock Hights, am Rande von Grahamstown. Wie der Name der Gegend schon sagt, liegt das auf einem Hügel in einer recht neu erschlossenen Gegend. Hier gibt es um uns rum noch ein paar neu gebaute Häuser und sonst nur Natur. Wohin das Auge blickt, man hat einfach nur eine geniale Aussicht. Wenn ich morgens aufstehe und auf die Terrasse gucke, sehe ich dahinter nur Hügel, Natur, Sträucher und Himmel. Auch das joggen hier ist großartig, weil man so unbeschreiblich weit gucken kann. Das Haus wurde sehr liebevoll eingerichtet und so ist mein Zimmer zwar recht klein, aber dafür sehr gemütlich und ich habe hier alles was ich brauche.

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Und nette Mitbewohner habe ich auch. Neben Wendy, der Hauseigentümerin, leben hier noch zwei Katzen und zwei Hunde… Lies mehr…

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